Saladi Beach Hotel und Franchthi Höhle

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Der angekündigte Regen meldet sich pünktlich zum Dienst. Wolken ziehen über den eben noch strahlend blauen Himmel. Um halb 10 fällt ein letzter Sonnenstrahl auf die kleine Insel im Meer, wenig später folgen Regen, Blitz und Donner. Kein Grund rauszugehen.

Am Nachmittag hat sich alles beruhigt, wir ziehen los um das Geisterhotel zu erforschen. Gestern hat die Flugkamera schon für einen ersten Eindruck vom Gelände gesorgt.

Das Gebäude entstand in den 1970er Jahren und wurde zunächst als FKK Hotel genutzt. Das mißfiel den Einwohnern eines nahegelegenen Ortes, man hielt dies für obszön und sündhaft. Mit Unterstützung des Bischofs und mit Verstärkung aus dem ganzen Land stürmte 1980 eine aufgebrachte Meute von mehreren tausend Leuten das Hotel und verjagte die textilfreien Gäste.

Bis 1996 wurde das Haus anschließend als „klassisches“ Hotel weiter genutzt, dann gab der Eigentümer auf. Das Gebäude ist seitdem dem Verfall preisgegeben, wurde zerschlagen und geplündert. Als „Lost Place“ ist es inzwischen sehr bekannt.

Der angelegte Fußweg vom Strand zum Hotel ist gut zu finden, durch einen Pinienwald kommen wir zur Anlage.

 

Ein ehemals schöner Minigolfplatz zur Linken, rechts ein Tennisplatz

Weiter zur einst luxuriösen Poolanlage.

Jetzt gehen wir rauf zum Hotel. Die großen Fenster sind notdürftig mit Holzplatten verstellt, sieht aus, als wären es Teile der Möblierung. Nein, nicht die Möbel, sondern die Zimmertüren dienen inzwischen als Außenwände.

Kakteen wachsen auf dem Vordach, überall plätschert es, Regenwasser tropft von den Dächern. Wir finden den Durchschlupf und betreten die große Halle. Müll, Scherben und zerschlagene Möbel. Ein paar Riesenschachfiguren sind noch übrig, einige Bauern, ein angeknackster Turm.

Die kleinen Schränkchen sehen schick aus. Bei unserem Rundgang im Erdgeschoß knirschen Glasscherben unter unseren Schuhen, überall kaputte Kacheln auf dem Marmorboden. Großzügig bemessene Räume, lichtdurchflutet, das muß mal sehr schön gewesen sein.

Die Sanitärräume total zerschlagen.

Die Fahrstühle sind irgendwann abgestürzt, am Ende des Rundgangs kommen wir zur Rezeption.

 

Die große Wendeltreppe in der Halle ist verschwunden, aber wir finden eine kleine Treppe im Seitenflügel und kommen zu einem Zwischengeschoß mit niedriger Decke. Das scheint der Personalbereich gewesen zu sein.

Die kleine Treppe führt weiter in den 1. Stock, die Bel Etage mit großzügigen Appartments. Hier ist gründlich geplündert worden, Balkongitter, Türen, die Badewannen, sogar alle Kabel wurden aus der Wand gerissen. Über Scherben und zerkloppte Möbel klettern wir durch die Flure und inspizieren die Zimmer. Macht großen Spaß, herumzustreifen und auf Entdeckungsreise zu gehen.

Ab hier existiert die große Treppe noch, aber die Marmorplatten der Stufen sind abtransportiert.

Ein bißchen unheimlich ist es auch, durch die verwüsteten Räume zu pilgern. Wie baufällig ist das alles nach den vielen Jahren Leerstand? Stockwerk für Stockwerk steigen wir nach oben, 8 Stockwerke rauf, 600 Zimmer hatte das Hotel zu vermieten.

Mit jedem Stockwerk nimmt der Grad der Plünderung ab. Der Marmor der Treppen ist unversehrt, es war wohl zu schwer, die Platten die vielen Stockwerke abwärts zu schleppen. Badezimmerträume in rosé, lindgrün und vanillegelb, die Zimmertüren sind noch da und die Möbel sind teilweise intakt. Bettgestelle mit Matratzen, sogar Kopfkissen, ein Telefonhörer in klassischem grau, schicke Schreibtische, die Lautsprecher der Nachttischchen sehen aus wie neu.

 

Der Ausblick ist grandios!

 

Das war mal ein wirklich schönes Hotel. Leider können wir nicht herausfinden, warum es 1996 aufgegeben wurde. Und warum niemand mehr investiert. Und noch nicht einmal Hausbesetzer?! Geradezu unglaublich….

Im 8. Stockwerk finden sich auf einem Schreibtisch Papiere und Abrechnungen aus vergangenen Zeiten,

wir steigen noch eine Treppe höher aufs Dach.

Der Blick in den Fahrstuhlschacht ist gruselig, aber oben vom Dach ist die Aussicht bombastisch!

Langsam steigen wir die Treppen wieder hinab, gehen durch die große Halle zurück in den Park. Unsere Hotelbesichtigung ist zuende. In der Nähe des Strandes steht ein Amphitheater und eine große Fläche mit Bars und Tanzflächen. Vergangene Pracht, einst sehr schick, wir können uns die fröhlichen Urlauber sehr gut vorstellen. Mit und ohne Textilien.

Vielleicht gehen wir morgen nochmal durch…

 

 

 

 

Vor der Rappelkiste sitzend beobachten wir einen Autofahrer, der sein Fahrzeug gründlich in den Sand setzt. Braucht er Abschlepphilfe? Können wir das ohne Bremse machen? Keine Sorge, er schafft´s alleine wieder raus aus der Grube.

Es wird zunehmend diesig, die Wetteraussichten sind mal wieder nicht gut, heute morgen lief auch schon die Heizung.

Eine ältere Frau kommt auf uns zu und beginnt zu schimpfen. Eine laute Tirade, leider verstehen wir kein Wort, aber sie scheint irgendwie aufgebracht zu sein. Martin startet die Übersetzer App des Telefons. Oha! Sie sagt, daß sie die Erbin des Eigentümers des Hotels sei. Der ganze Strand gehört ihr, sie muß sich darum kümmern. Wir dürfen hier nicht parken. Hoppla!

Offen gestanden wirkt sie alles andere als glaubwürdig. Aber sie läßt nicht locker und geht auch nicht wieder weg. Nach einer Weile sind wir des Geschimpfes überdrüssig und fragen sie, wo wir denn parken dürfen? Aha, da hinten in der Ecke ist es ihr recht. Gut, dann ziehen wir um. Während sie von Camper zu Camper wandert und rumzetert, parken wir um, am Ende stehen wir alle in der Ecke.

Am Morgen klopft es an der Tür. Oh! Sie ist wieder da und die Tirade beginnt erneut. Moment: sie hat uns doch diesen Platz selbst genannt? Nein, nein, das Erbe ihres Vaters, usw usw wir dürfen hier auch nicht stehen.

Auch, wenn wir ihr nicht glauben, kann einem das den schönsten Strand vermiesen. Schnell nachgeschaut…..aha, um die Ecke ist auch eine schöne Bucht. Wir starten die Rappelkiste und tuckern, sorgfältig das bremsen vermeidend, dorthin. Eigentlich wollten wir heute nochmal ins Hotel….naja, dann eben ein andermal.

Wir können hintenrum fahren, ohne über die Hauptstrasse zu müssen. Einmal den ganzen Saladi Beach entlang, dann über Sandundsteinchenstrassen weiter. Da ist sie schon, die nächste Haltestelle und wir finden es hier noch schöner als am Saladi Beach.

 

Dieser Strand hat obendrein ein Extra zu bieten: von hier führt ein Wanderweg zu einer prähistorischen Höhle. Prima, wir stapfen los. Gegenüber liegt eine kleine Insel, im Hafen eine elegante Jacht älteren Jahrgangs. Ist das etwa eine Privatinsel?! Wow!

Der Weg beginnt auf den Klippensteinen, dann geht es bergauf um die Felsen herum durch einen wunderbaren grünen Naturgarten. 20 Minuten später stehen wir vor dem offenen Eingangsgitter zur Höhle von Franchthi.

Die Höhle war von ca 38.000 – 4000 v.Chr. bewohnt. 1967 begannen die Ausgrabungen. Na, denn mal rein in die gute Stube!

Über Holzstege laufen wir durch die Höhle, an einer Seite ist irgendwann die Decke eingestürzt, deshalb ist es nun mehr ein offenes Gewölbe.  Tafeln erklären ausführlich die Geschichte. Hochinteressant und sehr gut gemacht.

Ein Schacht verdeutlicht die ursprüngliche Tiefe der Höhle. Mehrere 10.000 Jahre Staubablagerungen, Asche von Vulkanausbrüchen – auch vom Vesuv – und von der Decke abgebrochenes Gestein haben Meter um Meter den Boden erhöht.

Eine Sensation für die Archäologen war die Ausgrabung eines männlichen Skeletts aus dem 7.Jhd v. Ch. Anscheinend sehr selten in so einem guten Erhaltungszustand.

Toll, daß das Gitter offen ist und man allein durch die Höhle streifen darf.

Wir wandern zurück

und setzen uns in die letzten Sonnenstrahlen des Tages vor die Rappelkiste. Außer uns stehen noch 2 Wohnmobile hier, einer der Womobilisten bemüht sich, mit Hilfe eines kleinen Holzbrettchens Abflussgräben von den Pfützen zum Meer in den Sand zu graben. Ausdauernd und ziemlich erfolglos. Merkwürdig, womit sich mancher so beschäftigt. Aber wenn´s Spaß macht?

Die Vögel sammeln sich zur abendlichen Zwitschergruppe, es wird schnell kalt draußen.

Morgen fahren wir zur Werkstatt. Hoffentlich können sie den durchlöcherten Teil der Bremsleitung ersetzen…

Bis dann, liebe Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

 

 

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