Uzès

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Während in Südfrankreich verheerende Unwetter toben, verbringen wir die Tage sorglos im Norden mit Sonnenbaden, auf der Rhone paddeln und morgens Eisschwimmen im kleinen See. Wir waschen Wäsche, kaufen mal was ein, lesen, genießen die milden Abende draussen und machen Pläne. Unser nächstes Ziel soll der Samstagsmarkt in Uzès sein. Uzès liegt etwas nördlich von Nimes, in der Region Okzitanien in der Provence. Dahin werden wir 2 Fahrtage brauchen, das bedeutet, wir müssen am Donnerstag starten. Und das ist mein Geburtstag! Eigentlich nicht so schlimm, wenn wir mittags losfahren und nur so 3 Stunden unterwegs sind, bleibt noch genug Zeit zum Feiern. Morgens gönnen wir uns nochmal Croissants und Cafe´ im Ort, dann verabschieden wir uns von diesem genialen Platz in Seyssel! Wir kommen sicher wieder!

Aus den Hochsavoien geht es hinunter durch wunderschöne Berg- und grüne Hügellandschaft. Von Passstrassen aus haben wir grandiose Sicht über die Täler, die einzeln verstreut liegenden Feldsteinbauernhöfe, die trutzigen Ortschaften und den Mont Ventoux im Hintergrund. Gegen 15 Uhr finden wir auf einer Wiese bei einem kleinen Stausee unseren Pausenplatz,

 

überlegen kurz, hierzubleiben und fahren dann doch weiter. Und dann bleiben wir in Romans im Feierabendstau stecken, es wird spät. Was tun, ein Platz muß her! In der Nähe war doch die „grüne Katze“, oder? Das war doch ein guter Platz! Nur 16km weiter schrauben wir uns hinauf in die Berge nach St- Martin- de- Boulogne und parken an der uns bekannten Wiese. Perfekt, reichlich später als gedacht, aber der Geburtstagssekt schmeckt jetzt erst recht sehr gut! Jetzt können wir feiern!

Die Fahrt am nächsten Morgen führt über die Nationale 7, wir kommen flott voran. Zwischendurch tanken wir noch in Bagnols- sur -Cèze unsere Wasservorräte auf. Über die kleinen Strassen geht es hinauf nach Uzès. Als wir bei der Domaine St. Firmin auf den Hof fahren, staunen wir nicht schlecht: alles besetzt! Oje! Der Patron schlendert heran, „ahh, pas de probleme“ , er winkt uns in eine Nische unter Olivenbäume. Damit parken wir ein anderes Wohnmobil ein, aber der Patron sagt, das sei schon in Ordnung. Später fragen wir die beiden Insassen und tatsächlich, es stört sie nicht im Geringsten! Gut!

Wir gehen zur Weinprobe, kosten die Rotweine der Domaine ( hervorragend! ) und wandern anschließend in die Stadt. Es ist füher Abend, die vielen, kleinen Geschäfte haben geöffnet und die Altstadt sprudelt vor Lebendigkeit. Hier ist was los! Die Cafès und Bars sind gut besetzt, viele  Leute, junge, alte und dazwischen, flanieren, erledigen Einkäufe, nehmen ein Feierabendgetränk. Kein Vergleich mit unseren zweifellos wunderschön restaurierten Fachwerkstädtchen, in denen es keine kleinen Geschäfte mehr gibt, nur noch Optiker und Drogeriemärkte und die deshalb wie ausgestorben wirken. Hier gibt es alles: kleine Patisserien, Obst und Gemüse, Minisupermärkte, verschnörkelte Schokoladengeschäfte, winzige Kleidergeschäfte für Damen oder Herren, Hippiekleider, Seifenläden, Friseure, Cafés, Bars, Keksläden, die selbst wie eine schöne Keksdose aussehen, Schuhmacher und so weiter und so weiter. Und alle sind voller Kunden.

 

Wir setzen uns vor das Café de l´Hotel, bestellen Rosé und staunen über das unglaubliche Gekreische, daß die Starenschwärme in den Platanen über uns zum Abend hin veranstalten.

   

Hier ist es schön, sehr, sehr schön!

Samstag, der große Markttag: durch alle Strassen, Plätze und rund um die gesamte Altstadt sind die Stände aufgebaut. Die Vielfalt und die Qualität des Angebots ist unbeschreiblich! Wir kaufen Oliven, Käse, Gewürze, wandern lange durch den Markt, bestaunen dies und das, probieren das eine oder andere. Ein Traummarkt!

Später holen wir Baguette und Croissants und setzen uns wieder vor unsere Bar unter die Platanen, lassen die Leute mit ihren Einkaufskörben an uns vorüberziehen. Die Croissants sind ein Meisterwerk an zarter Knisprigkeit, buttrig und leicht wie ein Wölkchen, mmmmmhhhh!!

Am Nachbartisch serviert ein Händler frische Austern und kann noch ein paar Bestellungen mitnehmen. Hier treffen sich viele Bekannte, überall Küsschen, bonjour und ca va? Tische werden zusammengeschoben und alle stimmen sich auf´s Wochenende ein. Ein älterer Herr parkt seine Ente direkt gegenüber, trinkt ein paar Gläschen „Rouge“ und steigt wieder in den 2CV. Nach 3 Minuten ist er einmal um die Altstadt herumgefahren, er kommt noch einmal am Café vorbei, zückt sein Megafon und macht noch eine „offizielle“ Ansage: „Attention, attention, s´il vous plais, preter attention a vos sacs“ ( bitte achten Sie auf Ihre Taschen), alle an den Tischen lachen und winken….

Es ist schon Nachmittag als wir zum Steyr zurückkommen. Wir brauchen erstmal Pause und legen uns in die Sonne. Gegen 18 Uhr raffen wir uns nochmal auf, wir wollen  noch Weißwein und Rosé probieren und einkaufen. Unsere Nachbarn sind Engländer und sitzen mit einem befreundeten Päärchen schon den ganzen Nachmittag vor ihrem Womo. Als wir mit unseren Weineinkäufen zurückkehren, laden sie uns auf ein Gläschen in ihre Runde ein. Laue Abendluft, Rotwein und gut angetüdelte Engländer…..man ahnt es schon: es wird ein langer, sehr, sehr feucht- fröhlicher Abend, in dessen Verlauf 3 der 4 Engländer ( Rhiana, Belinda und Noel ) den Verlust der Muttersprache hinnehmen müssen, während der 4. ( Chris ) immer wieder gemütlich einnickt. Spricht man ihn an, murmelt er: „I´m listening, I´m listening…..“ Da englisch sowieso nicht unsere Muttersprache ist, werden unsere Sprachdefizite nicht weiter bemerkt….

Die für den Sonntagmorgen übermütig verabredete Jogging- Gruppe kommt selbstverständlich nicht zusammen, wir müssen uns alle etwas erholen und niemand taucht zur verabredeten Zeit auf. Abends plaudern wir noch ein wenig, Chris hat in seiner Jugend ein Livekonzert von Joy Division gesehen, Martins absolute Lieblingsband, Rhiana möchte sich für ihr Benehmen entschuldigen und Belinda und Noel werden wir vielleicht in Marokko wieder treffen.

Was für ein Wochenende in Uzès! Einfach Klasse!

Wir werden weiter Richtung Mittelmeer fahren und einen Zwischenhalt in St. Gilles einlegen.

Bis bald,

viele Grüße!

Drink positive!

 

 

 

  1. Elke

    Da seid ihr ja wirklich in einem netten Örtchen gelandet. Und wenn dann noch die Gesellschaft stimmt: umso besser!

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