Wieder in Griechenland

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Ein kleiner Stau gleich zu Beginn auf der Avus, danach sausen wir locker durch. In der Nähe von Landshut besuchen wir Freunde

düsen aber gleich am nächsten Morgen weiter über Rosenheim nach Österreich. Die GoBox piept vor sich hin und kassiert. Vom Brenner aus sehen wir den Stubaier Gletscher und sind geschockt, wie stark das Eis abgetaut ist. Um die 50,-€ kostet die Fahrt von Kufstein bis Italien, ganz schön happig. Die restliche Fahrt bis Affi ist mit 15,90€ dagegen echt günstig. Unser Ziel ist Lazise am Gardasee, dort wollen wir übernachten. Um 18 Uhr erreichen wir den Campeggio Municipale und halten vor der Rezeption. Sofort werden überall Handys gezückt und Fotos gemacht – „stell dich mal daneben, damit man sieht wie groß der ist“ dirigiert ein Mann seine Gattin neben die Rappelkiste. Unter großer Aufmerksamkeit parken wir ein. Im Städtchen ist viel los, jeder Tisch in Restaurants und Bars ist besetzt, die Leute flanieren im Abendlicht. Man sieht nur wenige Masken. Wir setzen uns vor unsere Lieblingsbar am kleinen Hafen und genießen den Abend mit Aperol Sprizz…..genau so haben wir uns das vorgestellt!

Am nächsten Morgen schlendern wir über den Markt – diesmal tragen alle brav ihre Masken – kaufen ein halbes Kilo Parmigiano und schlängeln anschließend die Rappeline zwischen den Marktständen hindurch zur Hauptstrasse. „Ciao! Ciao!“ rufen uns die Marktleute zu, lachen und winken. Ach, bella Italia!

Die Fahrt den ganzen Tag durch die Po Ebene ist langweilig, obendrein ist es mörderisch heiß. Abends erreichen wir die Küste, irren eine Weile herum bis wir einen guten Übernachtungsplatz finden.

Noch 70 Kilometer bis Ancona. Über dem Asphalt vom Ferry Terminal Parkplatz flimmert die Luft. Bevor wir das Gebäude betreten können wird hochmodern per Gesichts – Scanner Fieber gemessen. Alles gut. Das „Passenger Location Form“, unser Einreiseformular für Hellas, wird kontrolliert. Den QR Code sollen wir erst um Mitternacht bekommen. Am Ticketschalter dann Probleme: die Dame möchte uns kein „open deck“ Ticket verkaufen. Kein Camping-on-board. In unseren Papieren ist kein Wohnmobil eingetragen, sondern ein LKW! Martin diskutiert hartnäckig, sie solle sich bitte das Auto anschauen und sich selbst überzeugen. No, No, No! Nichts zu machen…. sie bleibt hart. Wir stellen uns enttäuscht auf eine weitere Horrornacht an Bord ein….In drei Stunden dürfen wir zum Boarding, solange schwitzen wir in glühender Hitze auf dem Parkplatz. Nur um dann – zu spät – festzustellen, daß wir um die Ecke herum hinterm Terminal im kühlen Schatten einer Autobahnbrücke hätten stehen können, aaaahhhhhhh!!!!!!

Als wir zum Boarding kommen, ruft uns der Einweiser von weitem zu: „open deck?“ Die Antwort kommt wie von selbst: „Ja, ja, si, si.“ Er weist uns in die Linie. Vielleicht klappt es ja doch mit Camping-on-board? Die Accesskarten werden ausgegeben, die „Hellenic Spirit“ läuft ein, mit Riesentatzen krallt sich das Schiff an Land fest.

Zack, zack wird verladen und……. wir werden aufs Campingdeck gewiesen, hurra!!! Oben stehen wir mit viel Platz, können die Leiter rausziehen, andere stellen ihre Campingmöbel auf, ziehen die Stromkabel von der Decke und stöpseln sich ein, es wird gemütlich. Das Deck ist nur zu 60% beladen, mehr ist im Moment nicht erlaubt. Weiter vorne stehen die Camper allerdings dicht an dicht, von Abstand keine Spur. Wir haben Glück.

„Arrivederci Italia!“ Mit einem kühlen Bierchen in der Hand und leichtem Grusel beobachten wir wie der Lotse von Bord geht.

Morgens schippern wir zwischen den griechischen Inseln hindurch, unser QR Code ist tatsächlich nachts per sms gekommen. Um 14 Uhr erreichen wir Patras. Juhuhhh!

Leicht aufgeregt stellen wir uns in die Reihe zur Hafenausfahrt. Jetzt wird irgendwie entschieden, ob wir zum Corona Test müssen oder gleich rausfahren dürfen. Der Kontrolleur wirft einen kurzen Blick auf den QR Code und möchte dann unser Formular sehen. Er scheint etwas auf dem Formular zu suchen… vor uns werden immer mehr Leute nach links rausgewunken zum Test…….“welcome to Greece“ sagt er: „take the right lane“ – wir sind drin!! Ohne Test. Wir freuen uns wie kleine Kinder!

Über die altbekannte Strecke fahren wir nach Giannitsochori, wo wir für ein paar Tage unseren Freund Patrick besuchen. Auf den letzten Metern streikt unser Tacho – ein Keilriemen ist gerissen. Zeit für Reparaturen.

Sommersonne……Temperaturen um die 34 Grad, immer mit leichtem Wind, im Schatten des Maulbeerbaums läßt sich das sehr gut aushalten.

Und „die Jungs“ Skilos und Zipporaki bewachen alles……wenn sie Zeit dafür finden und nicht gerade wieder irgendwelchen Blödsinn aushecken…

Nur 500 Meter vom Sandstrand entfernt, mehrmals täglich düsen wir mit der Dax zum schwimmen. Abends, zum Sonnenuntergang, springen wir noch einmal in die Wellen, die in rotgoldenes Licht getaucht sind. Danach gibt es ein Alpha Bier in der Strandbar.

 

Die kleinen Schildkröten schlüpfen…..

Foto1 hat uns Tobias gesendet, danke sehr! Wir finden morgens die Spuren im Sand und ein paar verlorene Eier. Das Mondlicht weist den Schildkrötchen den Weg ins Meer, einige wuseln leider auch zum nächsten Strassenlaternenlicht…..hier warten bereits die hungrigen Hunde und Katzen…..der Tisch ist gedeckt.

Mittagspause in Kyparissia, die Taxifahrer warten auf einen Anruf……

Wir sind eingeladen und fädeln die Rappelkiste bergauf durch abenteuerlich enge Gassen um mit Freunden in Kyparissia´s Altstadt essen zu gehen. Wunderschön hier oben!

 

Ein Medicane, ein schwerer Wirbelsturm vom Mittelmeer kündigt sich an und soll uns genau treffen. Wir bereiten uns vor, Patrick zurrt das Dach der Außenküche fest. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird in Sicherheit gebracht. Die Strandbars räumen zusammen und beenden die Saison, schade…..

Mit Spannung erwarten wir das Unwetter……aber dann dreht der Wirbel ab nach Norden, beschert uns lediglich zwei harmlose Regentage, dafür der Insel Kefalonia eine Katastrophe. Martins Neffe macht dort gerade Urlaub und berichtet live.

Der Boden ist so aufgeweicht, das wir einen kleinen Offroadpark eröffnen können

Jeden Tag machen wir Ausflüge mit der Dax, entdecken die Gegend, bewundern die zarten Blüten der Auberginen. Die lila Trichterwinde schmückt den Feigenbaum, wir zupfen die reifen Früchte, finden merkwürdige Pflanzen und……

……und wunderbare Strandrestaurants im Nachbarort

So richtig schön ist unsere Mini WG, wir fühlen uns sauwohl. Unter dem Maulbeerbaum treffen wir uns zum Abendessen und plaudern durch die Nacht. Stets kommt abends ein leichtes Lüftchen auf, das uns gut schlafen lässt. Aus ein paar Tagen werden mehr als drei Wochen. Dann packen wir zusammen und ziehen um nach Elea, ein paar Kilometer weiter. Danke, Patrick, für diese schönen Wochen mit dir auf dem Grundstück!

Fast am gleichen Platz wie vor zwei Monaten, neben einer großen Pinie, stellen wir unsere Rappelkiste ab.

Das im Dezember gestrandete Boot ist noch tiefer eingesunken.

 

Ein paar Meter weiter steht unser Freund Tobias. Viele Monate haben wir gemeinsam hier verbracht, demnächst reist er nach Italien und Tunesien. Unsere Wege trennen sich, aber ein bißchen Zeit können wir noch zusammen verbringen.

Die nächsten Tage müssen wir immer wieder jemanden aus dem Tiefsand zu ziehen. Warum glauben eigentlich alle, daß sie Offroadfahrzeuge hätten? Wir helfen gerne, aber das kann auch nerven, wenn wir immer wieder zusammenpacken müssen, weil wieder jemand sein Fahrzeug überschätzt.

 

Eines Abends sehen wir ein flimmerndes Wetterleuchten am Horizont. Martin schaut in die WetterApp: nur etwas Regen in der Nacht.

Ich wache vom Blitzlichtgewitter auf. Kaum Donner zu hören, aber der Wind frischt etwas auf. Ich stehe auf und schließe die Fenster. Plötzlich geht alles rasend schnell – der Wind steigert sich innerhalb von Sekunden zu einem gewaltigen Orkan, tobt und faucht ums Auto, ein tosender Lärm bricht aus, Blitze zucken, Donner nonstop, heftiger Regen prasselt, dann knallen Hagelkörner auf das Dach. Eine Lautstärke! Die Rappelkiste wird durchgeschüttelt, wir sitzen auf dem Bett und haben das Gefühl in voller Fahrt abwärts über eine Buckelpiste zu rasen, so sehr wackelt der LKW! Wirklich beängstigend!

Lange zehn Minuten dauert dieses Hölleninferno, dann lässt der Wind schlagartig nach, nur der starke Regen bleibt.

Der Schaden ist beträchtlich: ca 30 Bäume sind entwurzelt, dicke Äste abgebrochen, ein zum Glück unbewohnter Wohnwagen liegt auf der Seite. Verrückt: das Zelt nebendran steht unversehrt! Einem Truck ist ein Ast auf die Haube gefallen und hat einige Beulen hinterlassen. Zwei große umgestürzte Pinien liegen quer überm Weg.

Mit einem Sturm dieses Ausmaßes hatte niemand gerechnet. Patrick meldet sich, die große Pinie auf dem Grundstück ist umgestürzt, die Aussenküche komplett zerstört. Ein Drittel der Oliven sind von den Bäumen geweht, die ohnehin nicht gute Ernte wird noch schlechter ausfallen berichten unsere griechischen Freunde. Aber alle sind gesund, niemand verletzt.

Der LKW, der den Wohnwagen bergen soll, fährt sich zweimal fest – den ziehen wir aber nicht raus!!

 

Mit Hilfe des Krans schafft er das auch alleine.

 

Alles beruhigt sich, wir verbringen die Zeit zwischen Pinie und Meer, finden in unseren Elea Alltag zurück. Alte und neue Bekannte kommen zu Besuch. Bis auf einen kleinen Waldbrand über Kyparissia passiert nichts besonderes.

Alles ganz wunderbar, aber so langsam bekommen wir Lust mal wieder zu fahren. Wir haben eine Idee:

Mitte Oktober kommen unsere Landshuter Freunde mit der Fähre in Igoumenitsa an, wir könnten sie doch abholen? Als Überraschung!

Ein paar schöne Wanderungen und Sehenswürdigkeiten liegen auf unserer Strecke; eine Woche vorher wollen wir losfahren.

Ein letztes Mal gehen Tobias und wir zusammen essen in einem Bergdorf in einem ausgezeichneten Restaurant. Abschiedsstimmung. Wenn wir zurückkommen ist er bereits fort. Sieben Monate haben wir in Elea zusammen gewohnt, sind Freunde geworden. Du bist in unseren Herzen, wir werden uns sehr lange nicht sehen, aber eines Tages…….

Bis bald, liebe Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

2 Antworten

  1. Harry Zajdlik

    Hallo ihr beiden von der Rappelkiste war nett euch kennengelernt zu haben, werde euch ab jetzt folgen.
    LG Harry und Tine aus Geretsried bei Bad Tölz

    P.S. Wir waren in Diakopta am Skicenter und unten am Strand mit unserem kleinen Bürstner Womo gestanden. Bin gespannt wann es bei euch dann nach Südamerika geht, vielleicht doch nächstes Jahr?

    Harry und Tine wünschen euch noch eine schöne Zeit in Griechenland.

    • rappelkiste

      Hallo Harry und Tine,
      wir erinnern uns noch sehr gut an die Begegnung mit euch, schön von euch zu hören!
      Liebe Grüße Julia & Martin

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