Zuhause

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Elea, irgendwie schon unser Zuhause. Wir gehen am Meer entlang, am kilometerlangen Strand. Die Füße im Wasser, schauen wir doch mal nach, was das Boot so macht. Die Aufbauten sind abgerissen, die Wände verbeult, eingedellt von der harten Faust der Wellen. Der Innenraum ist komplett gefüllt mit Sand und Steinen, das Steuerrad lugt tapfer wie der letzte Seemann heraus. Teile des Wracks liegen am Strand, von den Sturmwellen weit nach oben gespült.

 

Ein paar Tage möchten wir bleiben, dann vielleicht in die Schneeberge fahren. „Weißt du noch, wie man die Schneeketten aufzieht?“ fragt Martin. „Also nicht sicher, nur so ungefähr.“ Das sollten wir mal üben. Maren und Mathias sind dabei, zuerst sollen mal alle Reifen bei ihrem Steyr abgezogen werden, um sicher zu sein, daß sie sich nicht festgefressen haben. Mathias und Martin lösen die Radmuttern vom gelben Steyr – aha – das wird eine größere Aktion. Der Reifen will tatsächlich nicht so einfach von der Achse. Mit Hilfe eines dazwischengeklemmten Wagenhebers löst er sich dann aber doch. Dauert alles wieder länger als gedacht, das Schneekettenaufziehen bei uns fällt flach wegen Sonnenuntergang. Zum „Sundowner“ treffen sich alle vor unserer Tür, schlürfen Prosecco, Bier oder Rosé und wir plaudern in fröhlicher Runde in die Dämmerung.

Am nächsten Tag kommt eine griechische Familie mit Pickup Truck, fährt direkt auf den Strand und lädt hohe Berge von Treibholz auf ihren Truck. Zum Glück haben Sylvia und Alfred bereits ein Lager mit Feuerholz angelegt.

Unsere Wanderung zur Burg vor ein paar Tagen, bei Eiswind und zu dünner Kleidung, bleibt nicht ohne Folgen: Martin ist erkältet. Die kommenden Regentage geben genug Zeit zum gesund werden, lesen, Brot backen und Karten spielen.

 

Mitten in der Nacht….für den  Bruchteil einer Sekunde ist es taghell, wir sind beide davon aufgewacht……Donner ist nicht zu hören, zu laut ist das Getöse der Wellen. Der Shelter beginnt leicht zu zittern…..ein Erdbeben? Wieder ein Blitz! Plötzlich, auf einen Schlag, erwischt uns eine wilde Sturmböe! Wütend zerrt der Wind am Shelter, rüttelt uns hin und her, wie schaufelweise Kieselsteine wird der Regen gegen die Außenwände und auf´s Dach geschleudert! Ein Paukenschlag, der Donner übertönt die tosenden Wellen, das Gewitter tobt direkt über uns.

10 Minuten Inferno, dann, auf Knopfdruck, ist alles vorbei…..Ruhe….nur das Rauschen der heranschäumenden Wellenberge bleibt. Wir drehen uns um und schlafen wieder ein…….

 

Auf den täglichen Strandspaziergängen gibt es immer etwas Neues zu entdecken, einmal sogar einen Gruß aus der Heimat, per Dosenpost.

 

Regen und Sonne wechseln sich ab, eine wilde Woche, was das Wetter betrifft. Ein Winterwetter, wie wir es nicht erwartet haben.

Ist das Schnee am Strand?

Nein, so weit geht es dann doch nicht….

Das Licht und die Wellen sind unendlich faszinierend, davon bekommen wir nie genug…..

 

Es gibt noch ein bißchen Arbeit zu erledigen. Ein kaputter Klappstuhl wird zum Sägebock, Mathias und Martin sägen einen Vorrat Holz in Feuertonnen-gerechte Stücke. Die Kettensäge ist geliehen – sowas brauchen wir auch!

Am Schluß trifft die Kettensägenkette noch auf einen verborgenen Nagel, Funken sprühen, das war´s für heute, die Kette ist stumpf. Mist!

Während Martin arbeitet, hopse ich am Strand rum, das Wasser hat 18 Grad, mit den Füßen drin rumzuplantschen macht immer noch viel Spaß!

 

Wir durchleben Sturmnächte mit Windböen um die 70km/h und Hagelschauer am Tag.

 

Nach einer Woche der Lichtblick, noch einmal Mal hängen über dem Meer die nassen Regenvorhänge, dann kommt sie endlich wieder: die Sonne!

Wie wunderschön ist ein Spaziergang in der Morgensonne, wenn alles glitzert, funkelt und blubbert.

Die letzten Stürme haben tonnenweise dicke, runde Steine angespült, barfuß im Wasser laufen ist erstmal kaum möglich. Das Boot liegt tief im Steinbett, noch ein paar Sturmwellen mehr und es wird nicht mehr zu sehen sein. Seit 13 Monaten beobachten wir, wie das Meer es langsam zerlegt und verschwinden läßt.

Auch unser Rappelkiste – Schriftzug auf dem Strandsofa hat gelitten, ist von Wind und Regen verwaschen.

vorher                                                                nachher

 

„Wir bleiben vielleicht eine Woche“ haben wir gedacht, als wir ankamen, jetzt sind es schon wieder 11 Tage geworden. Auch wenn man nichts Besonderes macht, vergeht die Zeit in Elea immer wie im Flug.

„Wie sieht`s aus? Wollen wir wieder los?“ Ja – wir wollen wieder los.

Ein leuchtender Abendhimmel leitet die Vollmondnacht ein. Wir sitzen mit den Freunden an der glühenden Feuertonne.

 

Sylvia, Alfred und Benemsi bleiben in Elea. Der gelbe Steyr mit seiner Mannschaft ist schon abgereist. „Wir treffen uns alle im März wieder, für eine Tour in die Berge!“ So ist es verabredet.

Morgen brechen wir auf.

 

01. Februar, wir haben die Rappelkiste bei Filía in Kakóvatos in den Hof gequetscht, die Waschmaschinen drehen sich.

Unser Beamer hilft bei der Waschsalonverschönerung und wir schauen mal nach, warum unser Kühlschrank sich in letzter Zeit zum großen Stromfresser entwickelt hat. Oh, kein Wunder…..

etwas eingestaubt, der Gute. Der Ventilator hat auch aufgegeben. Wenn das alles ist…..mit dem Staubsauger ist Problem Nr1 schnell gelöst, morgen fahren wir zum Markt nach Zacháro und lösen Problem Nr2 mit dem Kauf eines Computerventilators. Der Werkstattmann von der Kühlschrankfirma Kissmann hat uns telefonisch top beraten und geholfen, ein super Service!

Natürlich schüttet es aus vollen Eimern, während wir einkaufen! Patschnass stellen wir uns erstmal unter, bis das Schlimmste vorbei ist.

In Griechenland haben die meisten Häuser keine Regenrinnen, das Wasser fließt von den Flachdächern aus einem kleinen Rohr direkt auf den Bürgersteig oder rinnt von den Ziegeldächern. Es gibt auch keine Kanalisation, die Strassen überfluten, werden zu kleinen Flüssen bis alles Wasser im Erdreich neben der Strasse versickert. Hohe Fontänen sprühen von den vorbeifahrenden Autos, als Fussgänger muss man sehr achtsam sein, möchte man nicht ertrinken.

Computerventilator, Kettensägenkette, Sauerkraut, Obst und Gemüse – Einkauf fertig!

Die Wäsche ist trocken, nachdem ich sie mehrmals umgehängt habe: je nach Wetterlage raus in die Sonne und „Oh Regenschauer!“ wieder zurück nach drinnen und „Oh, Sonne!“ wieder raus und nochmal von vorne aaarrrrghhh! Unser Sheltertürschloss ist repariert, der Kühlschrank schnurrt und arbeitet vorschriftsmäßig. Alles erledigt.

Jetzt noch die Lautstärke der Anlage von Sarah testen, WOW! Was für ein Sound! Wenn man doch nur mal eine große Party machen dürfte, mal wieder tanzen!! Wir sind drauf und dran hier zu versacken, einfach zu gemütlich.

Aber wir kriegen die Kurve! Die Frühlingssonne trocknet den schlammigen Boden, es ist wohlig warm…..Nach einem ausgiebigen Frühstück auf dem sonnigen Balkon starten wir – wir sind wieder auf Achse!

 

Der Motor brummt, wir rollen über die Strasse Richtung Süden – ganze 8 Kilometer weit, bis zum Strand von Tholo. Und staunen: die gesamte Taverne ist abgebaut! Huch!? Alles weg! Dann ist das jetzt doch wohl eher ein Parkplatz, oder? Bei dem Traumwetter möchten wir nicht länger im Auto bleiben. Lieber Stühle raus und schön in den Windschatten setzen. Ahhh, die Sonne, tut das gut in der Wärme…….

Vor uns liegt eine Reise nach Lakonien, mit einer aufregenden Schluchtenfahrt von Kalamata nach Sparti. Wir werden eine Runde um den östlichen Finger des Peloponnes drehen, nach Elafonissos übersetzen, neue Strände und Wanderwege entdecken.

Aber das kann noch bis morgen warten……

Liebe Grüße, bis bald!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

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