Die Mani muß warten

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Morgensonne blinzelt durch das Dachfenster, wir werden gerade erst wach. Draußen werkelt schon jemand herum, wir hören Fargo & Gustav, die beiden Ridgebacks. Schräg hinter uns parkt der Steyr der „Tinyriders“. Die 2 Steyr wirken riesig in unserer kleinen Lieblingsbucht. Silke & Roland sind für einen Tag gekommen, ein Abschiedsbesuch, sie verlassen Griechenland, reisen weiter durch die Türkei und Georgien bis in die Mongolei. Gestern war der letzte von vielen lustigen gemeinsamen Abenden. Wie schön, euch getroffen zu haben! Mittags startet Roland den Motor, wir winken: gute Reise! Irgendwann sitzen wir bestimmt wieder mal zusammen am Feuer!

Wir bleiben hier, noch unentschlossen, wohin wir als nächstes möchten. Wind und Wolken, das Meer metallisch blau, eine gute Welle läuft, ein paar Surfer versuchen ihr Glück. Sollen wir auch? Martin scheidet aus wegen dem maladen Handgelenk und ich wegen Faulheit, also sehen wir nur zu.
Nachmittags sammeln wir Müll am Strand ein, eine Menge Plastikflaschen, Netze, einzelne Badelatschen. Unmassen kleinster Plastikteilchen und Styropor. Overland – Garbage – Fighters! Für dieses Hobby begeistern sich immer mehr Leute.

„ Ihr müßt euch die Ochsenbauchbucht ansehen“ wurde uns immer wieder geraten. Voidokilia, so der richtige Name, sieht auf Luftaufnahmen spektakulär aus. Wie eine runde Schaufel. Also gut, nach ein paar Tagen reißen wir uns los, die Rappelkiste wühlt sich durch Sand und Schotter zurück auf die Strasse.

Nach kurzer Fahrt halten wir auf dem Parkplatz von Voidokilia. Bevor wir mit niedrigem Reifendruck durch den weichen Sand näher ranfahren, sehen wir uns erstmal um. Hohe Felsen umrahmen die kleine runde Bucht. In den Dünen stehen mehrere Offroadfahrzeuge dicht an dicht. Hm, ja das ist schon schön hier, aber sehr eng. Während wir noch überlegen bemerken wir, daß alle eifrig zusammenpacken. Das ist verdächtig. Martin fragt nach: „Gab´s Probleme hier?“ „Nein“ lautet die Antwort „ Naturschützer haben uns sehr freundlich gebeten, nicht hier in den Dünen zu parken, deswegen ziehen wir um“. Okay, damit hat sich das Thema Ochsenbauchbucht für uns auch erledigt. Ein paar Kilometer weiter südlich liegt der „Golden Beach“. Hier ist viel Platz für alle, kilometerlang zieht sich der Sandstrand um die Navarinobucht, in der Ferne sehen wir Pylos. Zwei Camper stehen am Beginn des Strandes auf Kies, weiter hinten direkt auf dem Sandstrand steht niemand – außer uns! Super! Die Einsamkeit hält ungefähr eine Stunde, dann kommen die Lkws von der Ochsenbauchbucht und quartieren sich in der Nachbarschaft ein, aber alle haben immer noch viiiiiiel Platz.
Ich schicke unsere Flugkamera hoch übers glasklare Wasser. Was wir für die Reste eines Steges gehalten haben entpuppt sich von oben betrachtet als gesunkenes Schiff.

Über der Bucht thront eine große Festung, trotz des späten Nachmittags ziehen wir nochmal los. Ein steiniger Pfad führt bergauf durch graue Felsbrocken und leuchtendes Grün in vielen Schattierungen, wir fühlen uns nach Schottland oder Irland versetzt. Wie schwarze Finger ragen die Äste von verbrannten Bäumen aus dem Grün. Zwischen den Bäumen und gelb blühenden Sträuchern gibt es immer wieder Ausblicke auf die Burg, nach einer halben Stunde ist der Gipfel erreicht und durch eingestürzte Mauern klettern wir in den Hof. Hier wuchert wild das Gestrüpp, weiter geht es nur mit Machete. Umkehren, ein anderer Pfad führt abwärts, zur Dämmerung sind wir zuhause. Unsere Nachbarn machen Feuer, wir setzen uns dazu – ein fröhlicher Abend am Ende eines schönen Tages.

Ein Weinhändler in Pylos hat uns nach Kalamata zur Weinmesse eingeladen. Vor der Stadt soll es außerdem einen Waschsalon geben, das würde sehr gut passen. Wir düsen los. Um es kurz zu machen: die Weinmesse ist ein Reinfall, für Händler veranstaltet, zwischen den Anzugträgern fühlen wir uns fehl am Platz. Wir gehen schnell wieder, stattdessen suchen wir den Waschsalon. In dem kleinen Vorort quetschen wir die Rappelkiste durch die Gassen – Achtung, Balkonalarm!! Wir fragen die Dorfbewohner, aber von einem Waschsalon hat hier noch nie jemand was gehört. Also noch ein Reinfall. Was nun? Schlafplatz suchen! Vor Kalamata liegen lange Sandstrände, da wird sich was finden lassen. Erster Abzweig Richtung Strand: nach einigen 100 Metern tauchen links und rechts der Strasse Slums elendester Sorte auf. Ohje….im weiteren Verlauf abgebrannte Autos, Schrottplätze, magere wilde Hunde, eine miese Gegend. Doch das lassen wir bald hinter uns, durch hohe Bambuswälder führt der Weg direkt an den Strand. Eigentlich ganz okay. Ein paar Pkws fahren langsam im Kreis herum, am Steuer einsame Männer. Alles klar, wir befinden uns auf dem Strassenstrich! Im Bambus arbeiten die bedauernswerten Mädchen aus den Slums.
Umdrehen, nächster Versuch ein paar Kilometer weiter….ein mülliger, schlammiger Weg, am Ende ein zierliches blaues Brücklein mit gelbem Geländer, eher eine Fußgängerbrücke. Ich kann es kaum glauben, aber Martin will allen Ernstes da drüberfahren! „Das ist ´ne Spielzeugbrücke, die trägt uns nicht!“ rufe ich und balle die Fäuste vor Anspannung! Ich sehe uns schon mitsamt der Brücke zusammenbrechen! „Das geht schon, Statik und so weiter“ murmelt Martin, entschlossen gibt er Gas und zack sind wir drüber! Ganz einfach. Hat tatsächlich gehalten. Uff….
Dahinter finden wir dann auch endlich den Strandplatz für die Nacht, keine Schönheit aber in Ordnung.

So, was haben wir jetzt? Immer noch einen Riesenberg Wäsche! Es hilft nichts, wir fahren am nächsten Tag zur Fingerspitze nach Finikounda zu einem Campingplatz. Unterwegs bekommen wir eine Nachricht von Arne und seiner Familie, die wir am „Golden Beach“ kennengelernt haben. Sie sind in Methoni, 10 Kilometer von Finikounda entfernt, na, wenn das nicht prima passt – schon sind wir am Campingplatz vorbei und stehen wieder am Strand von Methoni mit Blick auf die Burg. Noch einen Abend Aufschub, den wir fröhlich zusammen in Nikos´ Taverne verbringen.

Warm verpackt gegen die Morgenkälte sitze ich auf der Mole und warte abermals auf tolles Fotolicht. Naja, hatte ich mir mehr erhofft….

Nun gibt es keine Ausrede mehr, wir verabschieden uns und fahren direkt zum Camping. Es ist furchtbar. Niedrige Bäume versperren der Rappelkiste die Durchfahrt, es bleibt uns nur ein mieser Platz bei der Abstellfläche für alte Wohnwagen. Ein englischer, sehr freundlicher Dauercamper mit ordentlicher Schnapsfahne verwaltet den Platz, der Chef hat wohl im Winter keine rechte Lust. Alles etwas verwahrlost und ungepflegt, von 3 Waschmaschinen funktionieren immerhin 2. Man muß Münzen einwerfen, wie lange das Waschprogramm dauert und ob die Münzen reichen muß man selbst herausfinden. Die Anleitung ist auf griechisch, wir wählen irgendeines der 40 Gradprogramme aus, es dauert ewig, bis die ersten beiden Ladungen fertig sind. Bis abends um halb 10 füttern wir die Maschinen mit Wäsche und Münzen und hängen viele Meter Leine voll.

Früh morgens dann gleich weiter, Martin holt im Supermarkt noch mehr Leine und Klammern. Sonne und Wind unterstützen uns mit vollem Einsatz, nachmittags ist alles trocken und verstaut, wir habens geschafft!! Nix wie raus hier, einmal um die Ecke und wir parken am Strand von Finikounda. So geht das nicht weiter, dieses Wäschedrama jedesmal….wir brauchen eine eigene Waschmaschine.
Die rauen Pisten der Mani rufen uns, das Taygetos Gebirge lockt uns mit schneeweißen Gipfeln, wir wollen endlich auf den Mittelfinger des Peloponnes. Auf dem Weg dahin halten wir kurz in Petalidi und kaufen unsere Waschmaschine.

In Rappelkistenfarbe. Wasser, Waschpulver und Wäsche kommen in die Tonne. Während der Fahrt durch die Kurven wird alles schön durchgeschüttelt, am Ende nur spülen und fertig!
Unser erstes Ziel auf der Mani ist der Dinostrand bei Pirgos Dirou, aber schon in Akrogiali halten wir am steinigen Strand. Genug für heute. Am Ende der Mole, die aus Riesenkartoffeln aufgeschüttet ist, steht ein kleiner, gelber Leuchtturm, da klettern wir hin und setzen uns, bis uns der kalte Wind verscheucht.

Den nächsten Vormittag bleiben wir in Akrogiali, ein Großvater und sein Enkel kommen vorbei, sagen hallo, wir verständigen uns mit Kauderwelsch und Zeichensprache. Mittags kommt seine Frau und bringt uns warmen Zwiebelkuchen vorbei, wir sind ganz hin und weg vor Überraschung und Begeisterung. Das ist so unglaublich freundlich! Schwarze Wolken schieben sich vor die Sonne, Martins Handgelenkschmerzen werden schlimmer und das Gelenk schwillt an. Wir müssen nochmal zum Arzt. In Kalamata gibt es einen deutschsprachigen Orthopäden, wir machen einen Termin für den nächsten Tag. Die Mani muß warten, wir fahren wieder zurück.
Liebe Grüße, bis bald!


Julia & Martin
Drink positive!

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