Mani Runde

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Wir fahren auf der Westseite Richtung Süden.

Olivenhaine, soweit das Auge reicht, zwischen den niedrigen Bäumen liegen große Felsbrocken. Die fruchtbare Erdschicht liegt nur dünn auf dem Felsboden. Die Ernte ist noch in vollem Gange, vor den Ölmühlen stapeln sich die Säcke.

Tiefhängende Wolken verschleiern die Sonne, tauchen alles in dunstiges Licht.

Unterhalb der Hauptstrasse verläuft ein Weg direkt an der Küste entlang. Tolle Idee, die Strecke kennen wir noch nicht, wir biegen ab! Schon im ersten Ort, Stoupa, kommen uns da so einige Zweifel, als wir mit der Rappelkiste über die mit großen Platten gepflasterte Strandpromenade rollen. Wir fühlen uns wie Gulliver in Lilliput. Der beschauliche Ort schmiegt sich um eine halbrunde Bucht. Verfolgt von erstaunten Blicken rollen wir einmal von Nord nach Süd über die Promenade. Am Ende der Bucht zwängen wir uns durch eine enge Linkskurve, Orangenbaumblätter klatschen an unseren Spiegel, dann sind wir wieder auf breiterer Strasse. Nix wie raus hier, die nächsten kleinen Örtchen, Agios Dimitrios und Agios Nikolaos sparen wir uns und ziehen wieder rauf auf die Hauptstrasse.

Nach wenigen Kilometern lenken wir die Rappelkiste auf eine zauberhafte Blumenwiese, unzählige Anemonen leuchten lila und rosa. Wir parken bei einer uralten Kapelle.

Durch eine knarrende Gittertür betreten wir den ummauerten Kirchhof. Eine Infotafel zeigt die großen Wandmalereien im Innenraum der Kirche. Besichtigen kann man sie leider nicht. Gegenüber der Kirche das Pfarrhaus, nebendran liegt ein kleiner Garten, Vöglein zwitschern……alles wirkt sehr friedlich.

Von der Kapelle aus verläuft ein betonierter Weg zum Amphitheater. Deswegen sind wir hier.

Wie ein Adlerhorst in den Abhang gebaut thront es über dem Meer, das steinerne Zuschauerrund öffnet sich nach Westen, ein spektakulärer Blick übers Wasser. Wenn es nicht so bewölkt wäre, säße man hier perfekt zum Sonnenuntergang. Eine Zufahrt führt direkt auf die Bühne. Wir könnten mit der Rappelkiste reinfahren und sie dort in Szene setzen…..aber man muß auch nicht alles machen, nur weil man es kann…..

Wir gehen erstmal zurück und frühstücken.

Dabei kommt uns eine Idee. Wir packen Ukulele und Kameraflieger ein und gehen nochmal zum Theater.

Eine kleine Probe…..Licht…….Ton…..Achtung bitte!

Kamera läuft……und bitte: Martin gibt ein exklusives Konzert – das erste Musikvideo von Jonny Oranien entsteht:

 

Wir haben soooo viel Spaß dabei!!

Ich fliege noch ´ne Runde über den Platz, möchte noch ein Gesamtbild haben. Plötzlich wird das Bild milchig, dann ist alles weiß – WAS?! Ist die Kamera etwa kaputt?! Schrecksekunde! Zack, ist das Bild wieder scharf……ich war in eine Wolke geflogen…..

 

Ein wunderschöner Nachmittag im Theater, ein magischer Ort. Auf jeden Fall möchten wir bei klarem Himmel nochmal zum Sonnenuntergang wiederkommen.

Jetzt suchen wir uns einen Übernachtungsplatz am Meer. Zwischen Steinmäuerchen und durch kleine Orte schlängelt sich die Strasse weiter nach Süden.

Wir folgen dem Wegweiser nach Chotasia, an großen Eichen vorbei geht es steil abwärts zur Küste. Mal sehen, was uns unten erwartet.

Unten angekommen schwenken wir an ein paar Booten und einer geschlossenen Taverne vorbei in einen vielversprechenden Weg.

Auf einem schiefen, engen Schotterplatz ist Ende, nee, das ist nix – einmal umdrehen und wieder zurück. Wir parken einfach vorne neben den Booten, da stehen wir gut. Beim ersten Umschauen entdecken wir den Felsenpool. Na, wenn das keine Einladung zum baden ist!

Über glitschige Steine taste ich mich ins Wasser. Herrlich erfrischend, mit 19 Grad nicht zu kalt. Wie Ostsee im Sommer……Eine ordentliche Strömung durch die zulaufenden Wellen macht es aber unangenehm zum schwimmen, ich klettere bald wieder raus.

Zum Aperitif mixt Martin Apérol Sprizz, Yamas!

Die Sonne verabschiedet sich in Grautönen, wir gehen rein um zu kochen. Der kleine, blinde Passagier, den wir beim Essen zubereiten entdecken, wird vorsichtig nach draußen umgesetzt.

Nordwärts verläuft ein Küstenweg, mittags wandern wir los. Überall in den Felsen klaffen Höhlen, teilweise zugemauert. Ob da mal jemand gewohnt hat? Im Dunst können wir die Silhouette des westlichen Fingers sehen. Im Süden ragt ein Felsenkap weit ins Meer hinaus.

Wie heißen denn diese gelb blühenden Sträucher, die überall in Riesenbüscheln wachsen? Ich kann´s nicht rausfinden.

Inmitten der unzähligen Felszacken finden wir ein paar große glatte Steine auf die wir uns zum Picknick setzen können.

Nach 2 Stunden machen wir uns auf den Rückweg, eine kleine Herde Kühe leistet uns Gesellschaft und begleitet uns ein wenig. Es wird nicht kühler als 17 Grad, bis tief in die Nacht hinein sitzen wir draußen am Feuer und bewundern den Sternenhimmel.

Der Donner der Wellen weckt uns am Morgen, das Wasser sprüht in hohen Fontänen über die Klippen. Diese niemals nachlassende Kraft und Energie…..

 

In der Taverne wohnen Farmarbeiter, morgens werden sie mit einem Pickup Truck abgeholt und abends zurückgebracht. Direkt neben der Sommerterrasse werden kaputte Tavernenmöbel „entsorgt“, der bedenkenlose Umgang mit Müll wundert uns immer wieder.

Ohne besonderes Ziel starten wir, weiter Richtung Süden. Von oben sehen wir die Bucht von Ithilo, daneben das malerische Limeni. Hier drängen die Neubauten der Ferienappartments unaufhaltsam in den Hang. Tiefe Baugruben sind ausgehoben.

Wir biegen ab nach Mezzapos. Immer schön bergab, zur kleinen Badebucht geht es nochmal steiler runter. Die Altstadt ist verlassen, wir streifen durch die Ruinen.

 

Zum Baden haben wir keine Lust, hierbleiben auch nicht, also wieder rauf und durch die Neustadt. Plötzlich fahren wir durch eine ganz andere Landschaft, karg, zerzaust, wild. Keine Olivenhaine mehr, nur noch niedrige Sträucher und Gräser.

Der Hinweis auf Tsitsiris Castle lockt uns nach Stavri.

STOP!!“ rufe ich laut, „Langsam! Wir haben nur noch 5cm auf der Seite!!“ Die Ortseinfahrt ist etwas schmal, ich bin etwas aufgeregt…Martin antwortet ruhig: „5cm reichen uns…“

Stimmt. Souverän steuert Martin unsere Rappelkiste durch die enge Durchfahrt. Stavri ist verträumt und idyllisch, gerne würden wir anhalten, uns mit Kaffee vor eine Taverne setzen und die Stimmung genießen. Ein andermal, wir kommen wieder, wenn alles eines Tages wieder geöffnet hat. Beim Namen „Tsitsiris Castle“ hatte ich mir ein imposantes Schloss vorgestellt mit Erkern und Türmchen, in Wirklichkeit ist es ein schlichtes, schmuckloses Steingebäude – der Name ist, von außen betrachtet, das Schönste daran.

Kurz darauf gelangen wir an die Südküste.

So…wo geht´s lang? Vathia steht auf dem Schild, davon haben wir schon mal gehört. Ein verlassenes Bergdorf, berühmt für seine vielen Wohntürme. Gut, dann schauen wir uns das jetzt mal genauer an. Etliche der alten Steinhäuser auf dem Weg dorthin sind renoviert, trutzige Landhäuser, zusammen mit dem grauen Himmel wirkt die Landschaft, abgesehen von den Olivenbäumen, eigenartig schottisch.

In den Hängen terrassierte, steinige Felder, karger Boden, lange verlassen. Kleine Badebuchten zwischen den Klippen, am Strassenrand gelber Ginster und die ersten blühenden Mandelbäume.

Vathia thront auf einem Berg über dem Meer, seine bis zu 20 Meter hohen Türme ragen in den Himmel. Wir schrauben uns nach oben, überholen eine Familie auf Fahrradurlaub, die eifrig bergauf strampeln. Am Ortsausgang finden wir einen Parkplatz in der „Neustadt“ für die Rappelkiste und wandern los.

Über den Kirchplatz geht´s hinein in eine schmale Gasse. Früher haben sich die Mani Bewohner gegenseitig aufs blutigste bekämpft. Jahrelange Blutrache zwischen den Klans wurde mit äußerster Gewalt ausgetragen. In den Türmen gibt es kleine Öffnungen aus denen geschossen oder heißes Öl auf die Nachbarn gegosssen wurde. Nur die Hausfrauen waren tabu, während sie ihre Besorgungen machten. Man baute immer höhere Türme, um dem Nachbarn von oben mit Felsbrocken das Haus zerstören zu können. Das Holz für ihre Bauten stammt von gekaperten Schiffen –  eine rauhe Bande, an denen sich auch die Türken während ihrer 300 Jahre dauernden Besatzung die Zähne ausgebissen haben.

1920 wurden noch 377 Einwohner gezählt, 2011 nur noch 6. Aber Vathia ist nicht vollkommen verlassen, ein paar wenige Türme werden aktuell renoviert, ringsum ist eine kleine Neustadt entstanden.

Wir schlendern allein durch die Gassen, spähen durch die offenen Fenster und Türen, betreten die Häuser…..ein Freilichtmuseum der besonderen Art. Kein Andenkenladen, kein Ramsch, außer uns keine Menschenseele. Einfach nur ein verlassener Ort, beeindruckend.

Kommt mit, begleitet uns auf unserem Rundgang:

Stundenlang kann man hier herumstreifen und immer wieder etwas neues entdecken. Die Speicherkarten und die Köpfe voller fantastischer Bilder verlassen wir Vathia, dieser Spaziergang ist ein unvergessliches Erlebnis. Ein letzter Blick zurück…..

Viel mehr brauchen wir heute nicht, nur noch einen Platz für die Nacht…

Bis bald, liebe Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

Instagram: Rappelkisteberlin

2 Antworten

  1. Christine und Peter

    Hallo Ihr 2
    Im Moment blüht hier auf der Mani die Baum-Wolfsmilch wirklich toll. Auf Euren Fotos ist sie auch zu sehen, so dass ich davon ausgehe, dass Ihr diese mit dem Fragezeichen meint. Bei Trockenheit verfärben sie sich schnell und werfen die Blätter ab. Nach Regenfällen sehen sie dann bald so herrlich aus wie jetzt.
    Wir wünschen Euch weiterhin eine schöne Zeit und viele schöne Beobachtungen.
    Grüße von Christine und Peter vom Großen Wagen

    • rappelkiste

      Vielen Dank! Ich hab Tante G….gle rauf und runter durchforscht und konnte nichts finden. Euch auch weiterhin alles Gute, einmal sind wir uns ja schon begegnet, das kommt sicherlich irgendwann nochmal vor. Bis dann, liebe Grüße! Julia & Martin

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