Von Schnee, Lehmwiesen und verkohlten Wäldern

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Von Kivéri aus schrauben wir uns rauf in die Berge Richtung Tripoli. Eine Schlängelstrasse entlang der Berghänge mit fantastischen Ausblicken auf die Burg von Argos und die Bucht von Nafplio. Auf Wiedersehen, Argolien! Wir kommen wieder!

 

Immer weiter hinauf, die Temperatur sinkt auf 6°C. Es ist sehr windig, die Landschaft wird karg und felsig.

Winzige Tröpfchen bilden sich auf der Frontscheibe, ab 700 Metern Höhe tauchen wir immer wieder in die Wolken und fahren durch feuchten Nebel und zarte Regenbögen. Leichter Schneeregen setzt ein. An der Felswand klebt ein großes Kloster mit Weitblick, eine einsame Farm markiert die Paßhöhe.

Nach dem Pass geht es durch kleine Orte wie Stenó hinunter in die grüne Ebene von Tripoli. Die kahlen Obstplantagen sind im Winterschlaf. Während unserer letzten Tour in dieser Gegend standen die Obstbäume in voller Blüte, was für eine Pracht!

Vor uns liegen die schneebedeckten Berge, die wir überqueren wollen.

Manch schönes Oldtimer-Schätzchen rostet in den Vorgärten vor sich hin, das tut einem in der Seele weh…

Tripoli ist seit unserem letzten Besuch nicht hübscher geworden. Wir durchqueren zügig die Stadt in der Ebene und schon geht es wieder bergauf. Mal zweispurig, mal einspurig, immer auf die frisch gezuckerten Berge zu.

Walnussbäume neigen sich über die Strasse. Bald sind 1000 Höhenmeter erreicht, ab da rollen wir durch dichten Tannenwald.

Etwa 100 Meter höher schmelzen am Strassenrand ein paar Schneereste. In Alonistena, einem stillen Bergdorf, warten ein paar Engstellen zwischen den Hauswänden auf uns. Außer uns ist niemand auf der Strasse, es ist saukalt hier oben.

Wenige Kilometer später und nochmal 100 Meter höher liegt mehr und mehr Schnee und Eis auf der Strasse. Wieviele Jahre sind wir nicht mehr durch Schnee gefahren? Es glitzert in der Sonne und strahlt unter dem blauen Himmel! Wunderschön! Wir halten am Strassenrand und machen eine ausgiebige Pause.

Da bekommen wir richtig Lust auf rodeln und Ski fahren. Nach unserer Pause geht es noch eine halbe Stunde weiter durch die Winterlandschaft, über schmale Sträßchen zwischen den Tannen. Wir sind auf fast 1400 Metern Höhe, rechts weist ein Schild den Weg hinauf ins Skigebiet. Sollen wir?

Unentschlossen rollen wir daran vorbei. Es geht wieder bergab.

20 Minuten später ist die weiße Pracht verschwunden. Am Strassenrand befindet sich eine Wasserquelle, die wir gut anfahren können. Frisches Wasser aus den Bergen, da tanken wir gerne voll.

Das nennt man Druckbetankung! So schnell waren unsere Wassertanks noch nie gefüllt! Hier würden wir gerne immer tanken gehen!

Wir kurven talwärts, es wird Zeit, einen Übernachtungsplatz zu finden. Bei Vythia biegen wir in ein schmales Sträßchen, das später den E4 Wanderweg kreuzt. Vielleicht gehen wir morgen wandern?

Mäuerchen, Baumreihen, Strassengräben, das Sträßchen bietet keine Gelegenheit zum anhalten, kein Übernachtungsplatz in Sicht.

Dann stoppen wir vor einer winzigen Ortschaft.

 

Wir fahren gar nicht erst rein. Das sieht so eng aus, besser, wir wenden und suchen woanders weiter. Linkerhand ist eine abschüssige Wiese, da können wir drehen. Kurz entschlossen steuern wir die Rappelkiste auf die Wiese –  und sinken sofort ein. Toll.

Beim Versuch vorsichtig rückwärts rauszufahren, graben sich die Reifen nur noch tiefer in den klebrigen Lehmboden.

Okay, vorwärts geht´s noch. Wir fahren die Wiese weiter hinab und haben schon fast gewendet – als sich die Hinterreifen tief eingraben. Ende. Das Reifenprofil ist zugeschmiert, nichts geht mehr.

Sperren rein und ein Versuch: rückwärts kämen wir raus, aber leider steht dort eine kleine Mauer…..

Schaufeln raus. Der Boden ist zäh, fest durchwurzelt und klebrig. Eine elende Schufterei. Meine Schuhe werden zu Plateaustiefeln.

Ohne unsere Sandbleche wird es nicht gehen, eine Premiere. Auf dem Grundstück finde ich noch ein altes Alublech, daß wir zusätzlich unter ein Vorderrad schieben können. Schließlich sind wir soweit und legen die Sandbleche vor die Hinterräder.

Ein Pickup hält, ein freundlicher Mann fragt, ob er helfen kann. Skeptisch betrachten wir den kleinen Nissan. „Wir sind ganz schön schwer…“ warnt Martin, aber unser Helfer lässt sich nicht beirren. „Have a rope?“ Ja, ein Seil haben wir. Zum ersten Mal benutzen wir unser Abschleppseil für uns, bisher haben wir damit nur andere rausgezogen. Martin holt das Seil, der hilfsbereite Herr befestigt es an der Aufhängung der Blattfedern!!! „Are you sure?“fragt Martin noch. Ja, ja, er ist sich sicher, das klappt. Mutig.

Zuerst muss die Rappelkiste wieder in Richtung Strasse gedreht werden. Alle Sperren drin, der Nissan zieht an. Vollgas, das kleine Autochen hüpft auf der Strasse auf und ab, die Räder drehen durch! Die Reifen der Rappelkiste finden Halt auf den Sandblechen und wir bewegen uns ein wenig in die richtige Richtung. Sandbleche nochmal neu platziert, wieder ein paar Zentimeter. Jetzt müssten wir graben, um die Bleche nochmal neu anlegen zu können. „Oxi, oxi“ sagt unser Helfer, nein, nein, das geht so. Na gut.

Der Pickup startet, faucht und raucht, die Räder drehen durch, das Fahrzeug wippt auf und ab.

Die zugeschmierten Profile der Rappelkiste rutschen durch den Lehm, die Räder drehen nur durch, sonst nichts.

Nächster Versuch. Der Nissan wird neu positioniert und von vorn: Motorbrüllen, rauchen, hüpfen……der Fahrer ist anscheinend völlig schmerzfrei, was sein Auto angeht.

Ahh! Wieder ein paar Zentimeter geschafft, neu positionieren und weiter.

Schließlich ist die Rappelkiste in die richtige Richtung gedreht. Noch einmal alle Kraft voraus und es ist geschafft!! Wir rollen auf die Strasse!!

Wir bedanken uns überschwänglich, der freundliche Helfer gibt uns freudestrahlend die Hand. Die Kupplung vom Nissan stinkt, aber das stört ihn nicht. Er steigt in sein tapferes Auto und düst davon.

„Ich fahr heute keinen Feldweg mehr, Julia!“sagt Martin „Schnauze voll!“

 

Über eine Stunde hat die Aktion gedauert. Die Bleche lassen sich nur schwer aus dem Lehmboden ziehen, sie sind jetzt ein wenig verbogen. Wir versuchen noch, die zerpflügte Wiese zu reparieren und schieben Lehm und Grasplacken in die Spurrillen zurück. Sieht leider nicht sehr überzeugend aus.

 

Zurück zur Hauptstrasse, hinter uns fliegen die Schlammbrocken aus dem Reifenprofil.

Richtung Dimitsana. Vielleicht können wir am Lousiosfluß einen Übernachtungsplatz finden.

Fehlanzeige. Ein Parkplatz auf einem Felsvorsprung ist uns zu heikel, wir drehen wieder um. Vielleicht hier neben einem Bagger? Ist Privatgelände, nicht gut. Da hinten steht ein Kapellchen, gibt es da einen Parkplatz? Nein, gibt es nicht. Nach ein paar Kilometern auf der Hauptstrasse entdeckt Martin einen kleinen Abzweig in eine Sackgasse. Den nehmen wir. Von dort führt ein grasbewachsener Weg in die Landschaft. Grasbewachsen?! Vorsicht! Diesmal gehen wir den Weg erst ab und prüfen die Stabilität.

Top! Schnell eingebogen, auf einer sonnigen Lichtung stellen wir die Rappelkiste ab.

Was für ein Tag!

Jedesmal, wenn wir uns festfahren, lernen wir wieder etwas dazu. “ Ich überlege gerade, wo wir noch so einen Nissan unterbringen können, als Backup!“ sagt Martin.

Die Heizung bollert die ganze Nacht, draußen herrschen Minusgrade. Durch das Dachfenster sehen wir das Sternbild des großen Wagens genau über uns, wunderschön.

 

Morgens ist alles gefroren. Eis auf dem Dach und auf den Pfützen.

Zwei freundliche, wilde Hunde bekommen den Rest unseres gestrigen Abendessens.

Olympia ist heute unser Ziel. Die Strecke räkelt sich zwischen Walnussplantagen und Felsen gemütlich durch die Landschaft.

Etwas oberhalb der Strasse liegt ein Bergdorf. Wir erschrecken etwas, denn der letzte Regen hat einen Erdrutsch ausgelöst. Ein Teil des Friedhofs ist von oben auf die Strasse gestürzt. Über uns ragen die Grabplatten über den Rand, die Gräber darunter sind abgerutscht. Das muß ja gruselig gewesen sein, hier aufzuräumen.

Wir durchqueren Langadia. Hier kreuzt der E4 Wanderweg, der Ort ist sehr schön. Leider auch sehr eng, wir können nirgends halten. Schade.

Die Strecke danach ist schmal, in die Felsen geschlagen, abenteuerlich unübersichtlich.

 

Weit vor Olympia sehen wir die ersten Spuren der Waldbrände vom Sommer. Verheerend. Kilometer um Kilometer geht die Fahrt an abgebrannten Hügeln entlang. Der Geruch von verkohltem Holz liegt in der Luft. Manche Bäume sind von den Flammen ausgehöhlt, stehen wie auf 4 Beinen. Riesige Flächen kahler, sandiger Boden, darauf schwarz verkohlte Stämme. Ein Olivenbauer hat alles verloren, der andere direkt daneben ist verschont worden und erntet gerade. Wir kurven durch schwarze Wälder, umgestürzte Baumriesen liegen auf dem Boden.

Etwa 20 Kilometer vor Olympia ist der Horror vorbei, konnten die Brände gestoppt werden. Am Horizont erstrecken sich die abgebrannten, kahlen Bergketten, aber wir fahren jetzt durch grüne Wälder.

Zum Parkplatz der berühmten Ausgrabungsstätte rollen wir durch die schmucklose Stadt Olympia. Die Sonne scheint, es ist herrlich warm draußen. “ Hast du eigentlich wirklich Lust, jetzt alte Steine anzugucken?“fragt Martin. „Nein, ehrlich gesagt, überhaupt nicht!“ Prima! Wir sind uns einig: lieber ans Meer und die Sonne dort genießen!

Wir fahren nach Elea.

Bis bald, liebe Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

 

 

 

 

 

 

 

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